Mystery Award… Mysteriöses von Menschenskind(er)

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Die Regeln für den Award:

  • Stelle das Logo in dein Blog.
  • Liste die Regeln auf.
  • Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog. Vielen, lieben Dank, liebste FrauEinstrich (bzw. FrauZweistrich)! Ich dachte mir, ich mache noch schnell den Eintrag fertig, bevor euer Käferchen das Licht der Welt erblickt 
  • Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei. Der Mystery Blogger Award wurde übrigens von Okoto Enigma gestartet, eine englische Literaturstudentin, die von Wilhelm Shakespeare und Jane Austen inspiriert wurde. Sie schreibt über Lifestyle, Beauty- und Mode. (Richtig, das hab ich jetzt auch nur kopiert, und zwar von FrauEinstrich, die das wiederum von Tally hat, und die hat das von…)
  • Erzähle den Lesern drei Dinge über dich. Irgendwelche? Ich vermute, etwas Mysteriöses? Ok, folgt gleich…
  • Nominiere 10 bis 20 Personen. Das sind jetzt nicht soooo wenig. Ich hoffe, bei den von mir Nominierten kommt jetzt kein Zugzwang auf. Ladys, macht es, wenn und wann ihr Lust dazu habt. Ich würde mich jedenfalls freuen, von jeder irgendetwas Mysteriöses zu erfahren oder auch überhaupt mal wieder zu lesen 😃 Nominieren möchte ich:
  • Liebe Frau Schwani, wäre einfach schön, bald wieder von dir zu lesen… 
  • Wunschkindwege Ich hoffe, du hast noch Zeit für ein wenig Schabernack? Bist ja bald wieder richtig busy!
  • Still ist es geworden…liebe Mama Öko. Ich hoffe, Arwen und dir geht es gut?
  • Die liebe C mit ihren Kindern H und O. Wenn du ein wenig Zeit dafür findest…
  • Warum ist es so still, liebes Mondenkind? 
  • Gibts dich eigentlich noch, J.B.? 
  • WahnsinnundOvulation Falls du Ablenkung gerade gebrauchen kannst…

 

  • Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst. Muss ich noch machen…
  • Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein. 
  • Teile einen Link zu deinen besten Posts. „Beste“ gleich „emotionalste Posts 😉 

 

So, nun zu den drei Dingen über mich, die nicht viele Menschen von mir wissen. Die sind so speziell, dass ich damit sofort identifiziert werden könnte. 🙈

  1. Als Jugendliche habe ich eine Zeitlang in einer Garagen-Band namens „Slanger“ (irisch für „Prost“) die Gitarre gespielt. Der Bandgründer und Sänger war Fan von „The Pogues“ und hat dementsprechend die musikalische Richtung vorgegeben. 😉 Er hat tatsächlich eine Karriere als Comedian in Berlin angefangen und ist sogar erfolgreich damit. Aber gut, hier geht es um mich. Ich bin nicht Comedian geworden. 
  2. Während meines Studiums und auch noch einmal in meinem Referendariat hatte ich eine sogenannte Schlafparalyse, also eine Schlaflähmung, die mich beim ersten Mal sehr schockiert hatte. Ich bin in der Nacht „aufgewacht“, war aber nicht in der Lage, mich zu bewegen oder gar etwas zu sagen. Sogar der Versuch zu schreien, schlug fehl, sodass die Panik in mir hochstieg. Dieser Zustand dauerte gefühlt bestimmt 2-3 Minuten an, wobei er sicherlich kürzer war. Ich hatte diese Schlaflähmung in jeweils extrem stressigen Phasen in meinem Leben.
  3. Ich war insgesamt 4mal! auf der Loveparade (Berlin, Berlin, Berlin, Essen). Hey, ich war jung!!!😛

 

Und jetzt zu den wunderbaren Fragen von FrauEinstrich 😃

1. Wenn du etwas erfinden könntest (egal was und welchen Ausmaßes), das Mamas das Leben unfassbar erleichtert. Was wäre das?

Kennt ihr die Serie „Black Mirror“ auf Netflix? Diese Serie thematisiert überwiegend        die möglichen Auswirkungen der Benutzung Sozialer Netzwerke und Medien im Allgemeinen, zB Bewertungsdruck bei Social Media, der transparente User, Vor- und Nachteile implantierter Speicherchips. Manchmal denke ich, dass ich so einen Chip benötigen würde, auf dem alle Informationen von Jesper Juul, Jan-Uwe-Rogge und der Super-Nanny gespeichert sind, die im richtigen Moment die richtigen Kommentare, Äußerungen, Sätze, Fragen für das Kind offenbaren, so dass dieses durchweg sanft, aber bestimmt durch die Trotzphase begleitet werden kann. Ach, noch was, den Chip könnte man natürlich bis zur Pubertät updaten!

2. Du müsstest ab morgen ein Handicap (stumm, taub, blind, gehbehindert, keine Arme, geistige Einschränkungen) für dich wählen. Welches wählst du und warum? (Anm. Die Frage ist nicht respektlos gegenüber Menschen mit Handicap gemeint, sondern zielt auf die Reflexion zum Thema Inklusion! Außerdem kann das theoretisch ja jedem passieren.)

Puh, das ist eine sehr schwere Frage. Die Vorstellung, auf einen der Sinne (speziell das Hören und Sehen) zu verzichten, ist jedoch ganz furchtbar für mich. Ich würde die Gehbehinderung wählen und versuchen, ein Leben mit Rollstuhl zu meistern, wie es viele, viele bewundernswerte Menschen tatsächlich tun müssen.

3. Glaubst Du an Nahtoderfahrungen bzw. außerkörperliche Erfahrungen?

Ja, daran glaube ich, obwohl ich selbst keine solchen Erfahrungen bisher gemacht habe. Aber ich finde solche „Geschichten“ ganz spannend (so wie deine, Frau Einstrich) und bin der festen Überzeugung, dass wir noch nicht alles ergründet haben, was zwischen Himmel und Erde tatsächlich vorliegt. 

4. Du hättest die Möglichkeit auf der Welt ein Regierungsoberhaupt abzusetzen – keiner würde sich daran erinnern, es gäbe keine Aufstände etc. – wer wäre es und warum?

😬 Ich würde DEN absetzen, der sowieso als nächstes gehen wird. Make america great again!!

5. Du könntest einen Monat in deiner Vergangenheit nochmal erleben – welches Alter und welchen Zeitraum wählst du?

Nein, ich kann das nicht. Ich hab alles Vergangene bereinigt und ad acta gelegt. Die schlimmen Dinge sind verarbeitet, die schönen Dinge tief im Herzen verankert. Und einen Monat ohne meinen Sohn mag ich mir auch nicht mehr vorstellen. Ich möchte nur im Jetzt leben. 

 

So nun kommen wir zu meinen Fragen an die Nominierten:

  1. Liebste FrauEinstrich, DIE Frage muss ich übernehmen: Wenn du etwas erfinden könntest (egal was und welchen Ausmaßes), das Mamas das Leben unfassbar erleichtert. Was wäre das?
  2. Du begegnest deinem 8-jährigen Ich und erzählst von deinem Leben: Worüber wäre es sehr traurig und worüber sehr glücklich?
  3. Gibst es irgendeine Person aus deiner Vergangenheit, der du noch ein paar Dinge sagen möchtest, weil sie dich noch immer beschäftigen? Wenn ja, was würdest du ihr sagen wollen?
  4. Wähle für deine aktuelle Stimmung/Situation einen passenden Song aus. Gerne mit Begründung.
  5. Welches war das schönste Kompliment, das Dir jemand einmal gemacht hat?

 

DAS habe ich hier mehr als unterschätzt!😄 Es hat aber total viel Spaß gemacht…

Ich hoffe, ihr habt auch welchen!!!

LG

Lucy

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Spannungsgeladen im „ersten“ Übungszyklus

Wisst ihr, was wirklich erstaunlich ist? Es ist alles wieder da: die Hoffnung, Aufregung und das Kopfkino. Als wären wir ein super-fruchtbares Paar Mitte 20, ohne Vorgeschichte und ohne Voreingenommenheit. Wie ein junges Mädel habe ich mich in die Idee verliebt, ein (zweites) Kind zu bekommen, mir Gelassenheit, Coolness, aber auch Realitätssinn vorgenommen und nun stehe ich da… Voll ausgerüstet mit Ovulationstests, Folio en masse, spermien-freundlichem Gleitgel, einer mega-modernen Zyklus-App und 24h-K*O*N*T*R*O*L*L*E. YEAH! Kerzenschein und Tigerfell? DAS ist doch wirklich nur was für Anfänger. 😉

Wer hat eigentlich dieses Orakeln erfunden? Das kann doch nur eine Person mit ausgeprägt masochistischen Zügen gewesen sein. Also wahrscheinlich eine Frau mit Kinderwunsch im fortgeschrittenen Stadium. Da befinde ich mich seit Jaaaahren wieder in einem Übungszyklus und habe nichts Besseres zu tun, als vor Eintritt der Periode einen Haufen Ovulationstests zu verbraten. Und der Teufel hat auch noch seinen Spaß dabei:

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Naja, ich gebe zu, ein richtig sauberer Anstieg war das nicht, und ich habe durchaus schonmal gehört/gelesen, dass die Ovus vor Beginn der Menstruation wieder anschlagen, weil das LH erhöht sein kann, aber es hat ausgereicht, um mich wieder komplett durcheinander zu bringen. Ich habe von einer Schwangerschaft geträumt, immer wieder an eine Zukunft zu viert gedacht und mir alles in Regenbogenfarben ausgemalt, als hätte ich komplett den Verstand verloren und vergessen, wie wahnsinnig anstrengend die ersten Monate mit Baby waren. Da waren wir nur zu dritt und ich bereits mehr als ausgelastet. Und jetzt alles nochmal, nur eben mit einem Kleinkind in der Trotzphase?!? Ich muss verrückt sein. Aber ich bin eben auch verliebt. Verliebt in meine Männer, verliebt in die Idee, ein weiteres Kind zu bekommen.

Selbstverständlich habe ich meine Tage bekommen. Hallo??!!!! Ich bin 40, da entscheidet man sich nicht, schwanger zu werden, und wird schwanger. Aber ich war für ein paar Tage tatsächlich so „naiv“ und in der Lage, an dieses kleine Fünkchen Wahrscheinlichkeit zu glauben!

An solchen Menschen wie mir verdient die Werbebranche wahrscheinlich Millionen: Kategorie „realitätsfern“ und „gutgläubig“. Super Kombi, muss nur noch überlegen, ob ich eher Richtung Sekten-Eintritt oder Dauer-Lottospielerin tendiere…

 

 

 

(Zweiter) Kinderwunsch mit 40?

Nach Abwägen aller Pros und Kontras, nach langem Hin und Her und schlafloser Nächte, nach Selbstzweifeln und Zweifeln an dem Rest der Welt, nach Lesen diverser Artikel, nach Beäugen „wissenschaftlicher“ (hüstel) Statistiken, nach laut ausgesprochenen oder über Dritte vermittelten Kommentaren aus dem Umfeld, nach privater Feldforschung auf Spielplätzen und anderen Kinder-und-Eltern-Versammlungsmöglichkeiten… Synthese: „Is‘ mir egaaahal…!“ Mein Herz ruft, dass da im Universum noch etwas rumschwebt, was zu uns kommen möchte, also breite ich meine Arme aus… Punkt und Ausrufezeichen!

Wir sind wieder eingestiegen. Zu dritt. Im vordersten Wagen der Kinderwunsch-Achterbahn, weil dort die Geschwindigkeit besonders gut rockt.

Der Plan lautet (you know what I mean. the idea you try to realize while life kicks you in the a… afternoon): Dieses Jahr noch wie die Bienchen und wenn das nicht klappen sollte, was uns natürlich nicht wundern würde, weil alt und gebrechlich und Chancen deswegen läääächerlisch, ab nächstes Jahr (Boah mit 41!? Hört ihr auch schon die Raben krähen? Seht ihr auch schon die Spinnweben? Grusel… ) wieder in unsere alte Kinderwunschklinik.

Und die Turmuhr schlägt 12.

Amen.

 

 

4.0- Ab jetzt geht’s…

…,pffft! Von wegen bergab!!!! Jetzt wird alles richtig cool! Also, noch viel coolerer, als es eh schon war, mit Ende 30, als Frau, in der heutigen Gesellschaft, und so… Naja, jedenfalls habe ich die „turning-40-crisis“ seit ein paar Wochen überstanden und befinde mich jetzt SEIT dem 40. nur noch in Schockstarre. Der Zustand ist ok. Ich fühle mich recht ferngesteuert, aber dadurch irgendwie auch unbeteiligt. Alles, was passiert, zieht an mir vorbei wie ein Schwarm Zugvögel. Ist irgendwie nett anzuschauen, passiert jedes Jahr und gibt einem das Gefühl, dass sich alles in natürlicher Harmonie befindet.

Mit dieser Distanz veröffentliche ich heute einen Beitrag, den ich vor Weihnachten angefangen und heute fertig geschrieben habe. Der Beitrag hatte schon sehr den Hang, zu nostalgisch und schmierig zu werden. Es war ja nicht nur vor Weihnachten (quasi im Glanz der Lichter taumelnd), nicht nur vor Silvester (nachdenkliches „Revuepassierenlassen“), sondern eben auch nach meinem Geburtstag (in Selbstmitleid schwimmend, extrem mit sich hadernd). Also habe ich den Beitrag heute modifiziert und für annehmbar befunden. Zudem gehe ich etwas genauer auf meinen letzten Beitrag ein, der kontextlos vor zwei Wochen veröffentlicht wurde. Ich bin gerade nicht direkt in einer Kinderwunschachterbahn, also nicht so, wie ich es 2014 gewesen bin, aber irgendwie ist das Thema auch noch nicht ganz abgeschlossen, sodass ich an diesem Blog gerade noch festhalten möchte. Auch wenn die Leserschaft möglicherweise flöten gegangen ist…

A nightmare before christmas

Da ist sie wieder- die Lust ein wenig zu schreiben und festzuhalten (in erster Linie für mich), was mich beschäftigt oder dieses Jahr beschäftigt hat. Vermutlich liegt das an der jetzigen Zeit, kurz vor Jahresende zu resümieren und ein wenig nachdenklicher zu werden. Ich habe nicht vor, den Blog wieder regelmäßig zu pflegen, weil dazu einfach die Muße und auch die Zeit fehlen… Aber irgendwie hänge ich an dieser Seite. Wenn ich mir die alten Beiträge durchlese und auch die Kommentare dazu, wird mir wieder bewusst, wie viele nette Mädels ich hierüber virtuell kennenlernen durfte und wie sehr gemeinsam mitgefiebert wurde, wenn es ans „Eingemachte“ ging. Die ganze Palette über Kinderwunschpläne, Anzeichengrübelei, Punktion, Transfer, Schwangerschaftstests und schließlich Schwangerschaftsabenteuer. Und ich darf mich eben zu den glücklichen Frauen zählen, die -trotz jahrelangem Kinderwunsch und Versuchszyklen im zweistelligen Bereich- mithilfe einer IVF Naturelle schwanger geworden und mit einem gesunden, munteren, unfassbar lustigen Kind beschenkt worden sind. Ich fühle mich reich und vollkommen ausgefüllt; manchmal fühlt sich dieser Reichtum leicht und beschwingend an, manchmal auch ermüdend und nervenaufreibend. Ohne diese Höhen und Tiefen hätte das Gefühl vielleicht aber auch nicht diese immense Stärke oder Intensität. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich große Dankbarkeit empfinde, Mutter sein zu dürfen. Jedenfalls an guten Tagen. An beschissenen Tagen frage ich mich, ob nicht besser mein Mann seine Stunden reduzieren und die alltägliche Nachmittagsbetreuung übernehmen soll, während ich mich in der Schule in Ruhe darüber aufregen kann, wie unerzogen die Kinder anderer – ganz bestimmt total unfähiger- Eltern sind. 😉 Die Formulierung „in Ruhe über etwas aufregen“ ist übrigens ganz bewusst gewählt.

Ich stehe nichts und niemanden ambivalenter gegenüber als dem Muttersein. Hmmm, obwohl… Also gut, ich bin irgendwie ein ambivalenter Typ: Beim Job, in der Beziehung, beim Muttersein.

Es gab im ersten Jahr mit Kind viiiiiiele Tage, an denen ich ständig auf die Uhr geschaut habe, in der Hoffnung, dass bald der Mann nach Hause kommt, um Klein-Hampelmann zu übernehmen. Ich habe einiges an Bespaßungsprogramm mitgemacht, vor allem um selbst rauszukommen und tatsächlich „die Zeit rumzukriegen“. Vielleicht geht es aber vielen Müttern so? Die wirken zwar nach außen alle so souverän und abgeklärt, in Eintracht mit sich, ihren Kindern und der Umwelt, aber insgeheim sind sie vielleicht auch nur auf der Suche nach Ablenkung, weil ihnen zuhause die Monotonie oder auch der Wahnsinn samt Decke auf den Kopf fallen, weil sie eben auch nicht die ganze Mischpoke im Umkreis wohnen haben oder weil es einfach nicht einfach ist, den ganzen Tag mit einem Wesen zu gestalten, was man natürlich liebt, aber was nicht spricht, nicht läuft und voll und ganz von einem abhängig ist. Ich hatte gehofft, dass ich in meiner Elternzeit das Nonplusultra-Motherfeeling haben werde und direkt ein zweites Kind hinterherlegen möchte. Das Alter gebietet es ja förmlich…. Dem war aber nicht so. Ich war schon irgendwie unterschwellig „glücklich“ mit unserem Schatz, aber bis zum Rande ausgefüllt, um nicht zu sagen erschöpft, dass mir der Gedanke an ein zweites Kind eher Schweißperlen auf die Stirn trieb.

Ab dem zweiten Jahr, als ich dann wieder arbeiten gegangen bin und unser Sohn durch das Laufen dermaßen an Mobilität gewonnen hat, dass ich sowieso nur hinter ihm her flitzen konnte, hat sich immer mehr relativiert. Die Aktivität meines Kindes hat mich quasi gehindert, ständig auf die Uhr schauen zu können, insgesamt einfach die Monotonie des Tages aufgelöst, sodass ich jetzt im Rückblick an viele kurzweilige, sonnige, gesellige Nachmittage auf Spielplätzen denken kann. Es gesellten sich dann zwar zur Trotzphase des Kindes leider noch andere -sagen wir mal herausfordernde- Verhaltensweisen, die mir dann irgendwann wieder solche Nachmittage verfinsterten, aber darauf gehe ich jetzt nicht in der Tiefe ein. Dank Juul, dem „gewünschtesten Wunschkind aller Zeiten“ und weiterer Literatur konnten sich mein Mann und ich gut über Wasser halten. Vielleicht widme ich dem Thema mal einen ganzen Beitrag. Ich gehe davon aus, dass wir noch ein paar Jahre damit zu tun haben werden….

Nun wechseln sich die guten und die schlechten Zeiten ab. Und alles ist vielleicht oder wahrscheinlich für irgendetwas gut? Mein Mann und ich hatten eine ausgekochte Ehe-Krise vom Feinsten und standen vor dem Aus. Wir holten uns Hilfe, rissen das Ruder um und dann… wurde ich schwanger. Am 13.5.2017 (richtig, 1 Tag vor Muttertag) wurde mir morgens bewusst, dass meine Tage vor 3 Tagen hätten einsetzen sollen. Zudem bemerkte ich schon deutliches Brustziehen, was mir doch sehr bekannt vorkam. Aber wie sollte das möglich sein??!!!! Wir hatten jahrelang rumprobiert, ohne Erfolg; dann Erkenntnis durch Gebärmutterspiegelung, dass ich Endometriose habe, dann zwei Inseminationen, ohne Erfolg; dann die erste IVF Naturelle und schließlich intakte Schwangerschaft. Für mich war irgendwie klar, dass ich auf natürlichem Wege nie schwanger werden würde, also haben wir es mit der Verhütung auch nicht sooooo wahnsinnig ernstgenommen. Nichtsdestoweniger haben wir genau bei DEM einem Mal bewusst darauf verzichtet, obwohl ich wusste, dass ich meine fruchtbaren Tage habe, und obwohl unsere Ehe-Krise gerade erst ein halbes Jahr zurücklag. Wir haben gepokert und siehe da, ich war schwanger. Einfach so. Zack Bumm.

Wie habe ich immer das Gelaber von Leuten gehasst, die irgendwelche Bekannten hatten, die nach 3 Millionen Jahren erfolgloser Rumv.gelei dann schwanger geworden sind, als sie gar nicht mehr damit gerechnet haben. Weil sie dann entspannt waren oder das Thema schon abgeschlossen hatten oder vorher 3mal um den Friedhof gelaufen sind und „Atemlos“ dabei gepfiffen haben. Ätzend! Aber… Ich war auf einmal auch so eine Frau und – noch viel schlimmer- ich hatte auch noch eine sehr gute Bekannte, der es ein paar Monate vorher genauso ergangen ist. Erstes Kind entstand im 1. Kryo-Zyklus (ICSI) in einer Kinderwunschklinik, zweites Kind kündigte sich auf einmal zwei Monate nach Abstillen an. Die beiden Mädels sind also nur 22 Monate auseinander. Ein Zufall, ein wissenschaftliches Wunder? Alles in allem jedenfalls eine unfassbare Überraschung!

Ich habe keine wissenschaftlichen Berichte darüber gelesen/gefunden, ob es für den Körper einer Frau einfacher ist, schwanger zu werden, wenn dieser bereits schon eine Schwangerschaft erlebt hat. Aber ich würde gerne welche darüber lesen. Ich bin „nur“ auf Foren bzw. Blogs gestoßen, in denen ähnliche Erfahrungsberichte geschildert werden. Und es erscheint mir, dass heutzutage wahnsinnig viele Frauen eine Kinderwunschklinik in Anspruch nehmen (müssen) und von diesen Frauen aber trotzdem auch viele natürlich schwanger werden und ein gesundes Baby austragen können. Aber hier steht jetzt viel im Konjunktiv und es ist lediglich ein persönlicher Eindruck. Viel heiße Luft sozusagen und wenig hilfreich für Frauen, die nach einer durch künstliche Befruchtung initiierten Schwangerschaft wieder schwanger werden möchten und es wieder nicht werden….

Gut. Das eine ist, schwanger zu werden, das andere, schwanger zu bleiben. Ich mache es kurz, um dem Ganzen nicht mehr Dramatik zu verleihen als notwendig. In der 10. Schwangerschaftswoche bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen, weil ich schon seit zwei Wochen ein beschissenes Gefühl hatte. Zuvor war ich bei einem ersten Ultraschall, bei dem ich sogar schon den Herzschlag sehen konnte. Allerdings meinte die Ärztin, dass das Wachstum nicht ganz zeitgerecht wäre und ich ein Hämatom in der Gebärmutter hätte. Ich war verunsichert, da wir just am nächsten Tag in unseren zweiwöchigen Pfingst-Urlaub fahren wollten. Sie meinte, ich solle mir starke Binden mitnehmen, falls der Wurm im Urlaub abgehen sollte. Diese Worte nahm ich mit aus der Praxis in unseren Urlaub hinein. Mir fiel es unendlich schwer, die Zeit mit meiner Familie zu genießen. Ich war geplagt von Müdigkeit und Übelkeit, aber auch von Panik und Zweifeln. Einerseits, ob das Mini-Ü-Ei überhaupt „überleben“ wird, anderseits aber auch, ob ein zweites Kind überhaupt für uns zu schaffen ist. Gerade nach dem Tiefpunkt, den wir hatten. Ergo, tiefe Freude setzte nicht bei mir ein und das machte mich noch viel trauriger und bleischwer. Ich war ein beschissener Trauerklops in unserem einzigen Urlaub in dem Jahr. Und dann ging ich nach dem „Urlaub“ mit diesem schmerzenden Herzen zur Frauenärztin und ich sah sofort auf dem Ultraschall, was sie mir nach gefühlten mehreren Minuten Rumsuchens mit dem US-Stab dann endlich mitteilte:“ Es ist leider kein Herzschlag mehr zu sehen…“

Direkt am nächsten Tag hatte ich die Ausschabung, die eigentlich keine war. Absaugung klingt halt auch furchtbar, soll aber wohl sanfter sein. Körperlich ging es mir gut, obwohl ich bestimmt noch zwei Wochen lang das Gefühl hatte, dass mein Bauch wächst. Aber es gab keine nennenswerten Blutungen oder Schmerzen. In meiner Seele klaffte allerdings ein Loch und es bis heute noch nicht ganz geschlossen. Natürlich habe ich in den wenigen Wochen keine innige Beziehung zu diesem kleinen Zellhäufchen aufbauen können und vermutlich lag ein genetischer Defekt vor, sodass das „Absterben“/ Nicht-Weiter-Wachsen ein natürlicher Prozess war, aber ein „aber“ bleibt…

Und nun bin ich 40, unser Sohn wird 3, wir sind noch zusammen, mit Glück und viel Arbeit, es gibt die guten und die schlechten Tage, und ich weiß nicht, ob ich bzw. wir bereits am Ende unseres Kinderwunschweges angekommen sind.

Ich bin gespannt auf 2018.

Alles Liebe,

eure Lucy

Ich denke an dich: ET 19.1.2018

Heute ist nicht der Tag, um hier mit einem umfassenden Beitrag unser Leben mit Kind zu beschreiben und die letzten 2 Jahre Revue passieren zu lassen. Heute wird es hier keine Erklärungen geben, keine Fragen und keine Antworten. Aber trotzdem ist dieser, wenn auch virtuelle Ort wichtig. Wichtig für mich. Gerade heute. Denn hier finde ich einen geeigneten Raum, um meine Gedanken an dich und meinen vergangenen, manchmal noch aufkeimenden Schmerz festzuhalten. Für einen klitzekleinen Tag, in der Chronik unserer Kinderwunsch-Achterbahn.

„Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ (Erich Fried)

Aus aktuellem Anlass…

Gerade auf „Babykram&Kinderkacke“ gelesen und genial befunden. Es sind nicht meine Worte, aber viiiiiiele meiner Gedanken. Danke! 

„Ich sehe diese Memes, von dieser Witzfigur, die in einer der größten Nationen dieser Erde  – ich lass die Doppeldeutigkeit mal so stehen – auf dem wichtigen Stuhl sitzt. Von seiner Frau und all dem FunnyFunny-Stuff. Eine Zusammenschau von Bildern, die zeigen, dass die Berührungen des Toupet-Models an seiner Tochter irgendwie immer lüstern wirken. Einen Beitrag über populistisches Gesabbel. Ein Bild, das zeigt, dass in irgendeinem Kaufhaus ein Regal in der Spielzeugabteilung mit „Wie Mutti“betitelt ist… Ich mach die glotze aus, mach das Internet aus. Mache die Augen zu.Dürfte ich nicht, sollte ich nicht. Wahrscheinlich, vielleicht, ich weiß nicht.

Schwanke zwischen Dramatisierung – ebenso wie die Populisten – („Das ist der Anfang vom Ende.“) und „War’s nicht schon immer irgendwie so?“

Idioten gibt’s nicht erst seit Trump und Putin und Höcke und Petry und…

Ich schaue meinen Kindern beim Spielen zu. Grundsatzgedanken. „Was dachte ich mir dabei, Kinder in diese Welt zu setzen? In diese Welt? In diese verkackte Welt?!?“

Draußen färbt der Himmel sich rosa… Das liegt an der Art und Weise, wie das Licht sich bricht. In der Atmosphäre oder so. Hab ich von einer Kinder-CD von P. gelernt, die bald (GANZ BALD!) in die Schule kommt.

Auch so ein Thema. Schule. Macht mir Bauchschmerzen… Habe eine Schulgründungsinitiative laufen – demokratische Schule, menschenrechtsbasierte Bildung. Scheitere gedanklich aber daran, dass ich keine elitäre Privatschule gründen will… Wie kann man das vereinbaren? Solidarität, bekämpfen wollen von Ungerechtigkeiten statt verstärken von Privilegien und freie Schule, finanziert über Schulgeld?? Sollte man nicht lieber versuchen, am Regelschulsystem etwas zu drehen? Aber kann ich diesen Kampf gegen Windmühlen wirklich kämpfen?

… Und: Worüber denke ich da überhaupt nach? Was für eine abgehobene Scheiße?

Im Erzgebirge im Ski bzw. Snowboard-Kurz-Urlaub gewesen. FunFunFun. Hedonismus pur! AprésSkiShit dröhnte aus den Boxen. Ich bin vom Schlepplift gefallen und die Piste nach oben gelatscht. Denke sehnsüchtig an unseren Urlaub im Sommer nach, Lüneburger Heide. Die totale Entschleunigung… Dahin will ich mich zurückziehen, wenn es denn ginge. Wenn ich es denn aushalten könnte, auf dem Land, in der Pampa. Einfach aussteigen. Mit anderen Leuten, Selbstversorgung. Die Arschlöcher draußen lassen… Die Augen zumachen. Nicht mehr hingucken. Macht doch euren Scheiß alleine!

Ich sehe die Höcke-Rede und all die mahnenden Kommentare: „Sagt ja nicht, ihr hättet von nichts gewusst!“ Ich sehe „Yolocaust“ und meine Generation Selfie widert mich an. Ich sehe Plakate, die fragen, wo Israel- oder Islam-Kritik noch okay sind und wo es anfängt, islamophob bzw. antisemitisch sein. „Gutmenschenscheiße“ höre ich meinen Erzeuger rotzen. „Was soll das?!“ mich fragen… Und mein Telefon klingelt. Jemand wurde verlassen, der ganze Körper tut weh. Jemand hat sich verletzt, der ganze Körper tut weh. Jemand fragt, was Freitagabend geht. Und wir gehen in den Pub und trinken und rauchen und reden Schwachsinn und liegen uns irgendwann in den Armen und machen uns Liebeserklärungen… So geht’s doch immer, egal, was draußen ist. Oder?

K. kommt nach Hause, während ich mich T. zu diesem tollen Lied tanze und seine Augen werden feucht, wie sie das so oft tun, weil er so leicht zu rühren ist, wenn’s um Familie geht. Und wir bauen Feuerwachen und streiten über Tabletgucken und Zubettgehzeiten und manchmal sind wir so gestresst, weil… ach! Die Nachbarn regt das Kindergetrampel spätabends auf und die Züge fahren im Winter unregelmäßig und immer die viele Arbeit… Und dass man nicht weiß, was man eigentlich will und wohin man soll und dass sich das auch nicht ändert, diese Suchbewegung. Dabei geht man doch nun mittlerweile auf die 30 zu und dachte, das müsste doch dann mal langsam… Irgendwie. Oder nicht?

Und immernoch sterben Menschen, da draußen. Unser Klamotten werden unter Scheißbedingungen produziert, in unserem Essen steckt nur Schrott und vor jedem YouTube-Video kommt jetzt Werbung. Und für’s Kino reicht die Kohle nicht.

Wo ist denn da die Relation??!?

Ja, ich fühle mich gelähmt. Laufe seit Jahren in Richtung bessere Welt, engagiere mich hier und da und dort, treffe tolle Leute, die das auch tun. Und dann die Wahlen. Und ja! Das passiert jetzt wirklich gerade. Und ich bin so oft und immer häufiger müde, müde, müde. So müde.

lIch mach die Augen zu. Bringe meiner Kinder ins Bett und singe ihnen ein Lied, von einer besseren Welt. Und der Himmel färbt sich dunkelrot. Und ich schluck das Geheule und die Wut runter und reiße mich zusammen. Und gehe raus. Mache die Augen auf und aufmerksam. Immer wieder, immer weiter. Weil’s anders nicht geht, weil es/ich anders nicht sein kann. Ich will später nicht behaupten, ich hätte von nichts gewusst…“ Quelle

Wer A sagt, muss auch B sagen…

img_8012Schweigen geht natürlich auch, aber der minimalistische, letzte Blogeintrag auf diesem Blog, den ich auf eine Handyspielerei meines Sohnes zurückführe, kann ja so nicht stehen bleiben. Wo kommen wir denn da hin? Erst wird minutiös jede Gefühlswallung veröffentlicht und nun soll dieser Blog mit einem Buchstaben sein Ende gefunden haben? Nein! Wenn überhaupt, beschreibt das A natürlich einen Anfang, in vielfacher Hinsicht. Und damit dieser eingestaubte Blog nicht mit einem offenen Anfang endet, soll zumindest die noch lesende Gemeinde über ein paar klitzekleine Informationen aus unserem jetzigen Leben in Kenntnis gesetzt werden. Warum? Weil ich gerade Zeit habe. Und DAS, meine Lieben, ist nicht selbstverständlich, weil Zeit seit dem 26.Juli 2015 eine neue Bedeutung bekommen hat. Nicht, dass wir gar keine hätten, aber die 24 Stunden am Tag werden anders gefüllt, gelebt und wahrgenommen. It´s a new age and it´s a vollkommen anderes Leben. Crazy!

Warum habe ich denn überhaupt Zeit? Das ist eine berechtigte Frage, zumal das Mutter-Dasein gerne mit vollkommener Erschöpfung, Ringen unter den Augen und Selbstaufgabe in Verbindung gebracht wird. Das ist auch gar nicht so abwegig, wenn man nicht gerade vom Glück gesegnet ist, ein absolutes „Anfänger-Baby“ geschenkt bekommen zu haben. „Anfänger-Baby“ ist im Übrigen mein persönlicher Favorit für das Unwort des Jahres 2015 und 2016. Schassedas!!! Schabnämlichkeins. 😛 Aaaaaber, ich liebe unseren Rabauken natürlich uneingeschränkt und möchte auch gar kein anderes Kind. Unser Sohn hat halt ein leidenschaftliches, impulsives Temperament, einen alpenhohen Willen und null Bock auf stundenlanges Chillen oder verträumtes Entdecken eines Bauklötzchens. Er ist halt UNSER Sohn und nicht das Kind von Mumien 😀 ;-), vielleicht eher von Tarzan und Jane, wenn ich mal einen prominenten Vergleich anbringen darf. Wir springen zwar nicht halbnackt durch einen Lianen-Dschungel, aber unser Sohn würde es tun, wenn er könnte. Und da wir als zwei gestandene Erwachsene aufgrund der Umtriebigkeit unseres Akrobaten gerne an die Erschöpfungsgrenze geraten, gestehen wir dem Partner regelmäßig Freistunden, Abende, teilweise Wochenenden zu, wo er sich entspannen oder eben auch austoben kann. Und dieses Wochenende bin ich wieder dran. Deswegen habe ich gerade Zeit. Toll, ne? 🙂

In vier Tagen wird unser Rabauke schon 15 Monate. Wahnsinn! Time flies! Seit September arbeite ich wieder, allerdings nur in Teilzeit, seit 3 Wochen haben wir ein KiTa-Kind, seit dem Sommer kann er laufen, jeden Tag ein wenig schneller, seit ein paar Wochen geht es nun mit den ersten Worten/Wörtern los. Er trägt bereits Größe 92 und wiegt stolze 14kg. In etwa so viel wie ein 2jähriger, ein schwerer 2jähriger 😉

Einerseits war es zu erwarten, dass wir als große (also lange, nicht dicke!) Eltern ein großes Kind bekommen würden, andererseits waren wir nicht darauf gefasst, dass unser Knirps bereits so früh Herkules-Kräfte entwickeln würde und wir nicht jeden Kampf um verbotene Gegenstände zwangsläufig gewinnen würden. Mal können wir darüber schmunzeln, mal sind wir einfach vollkommen baff und fragen uns, wo das alles bitte noch hinführen wird. Seitdem er laufen kann, können wir allerdings damit besser umgehen. Vieles ist leichter geworden, auch schöner. Ich erinnere mich ungern an die Monate zurück, in denen ich ihn stundenlang getragen habe, weil er woanders einfach nicht einschlafen wollte oder konnte, und ich vor Rückenschmerzen nicht mehr ein- noch aus wusste. Es ist schon wieder eine Ewigkeit her und… richtig! es war nur eine Phase, die ging vorbei.

Mein Jahr Elternzeit war durchaus mit Tiefpunkten gespickt… Ich wollte nie darüber schreiben, weil sich meine Stimmung und die Phasen ständig änderten und ich mich über einen „Jammer-Eintrag“ womöglich am nächsten Tag wieder geärgert hätte. Ich wollte aber auch keine ausschließlich euphorischen, hormongeleiteten Freude-Postings von mir geben, weil die eben auch nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit gezeigt hätten. Mein Mann und ich wurden seit der Geburt jeden Tag aufs Neue gefordert, mal mehr mal weniger, mal schmerzhaft, mal wunderschön. Wir sind- trotz des unebenen Kinderwunschweges- ganz normale Eltern, mit Unsicherheiten, Zweifeln, extrem vielen Fragen, sensiblem Nervenkostüm und unendlich viel Liebe.

Was ich aktuell tatsächlich sehr genieße, ist meine Rückkehr an die Schule. Erstaunlich, wie ich finde. Bis zum Ende der Sommerferien haben mich die dunklen Gedanken zermartert, wie ich bloß den Job, der mich jahrelang bis aufs Mark ausgezehrt hat, schaffen soll. Ich fand ja alles scheiße. Ich zog über das System her, über das Bundesland, über die Schule selbst, über den unmenschlichen Stundenplan, über unsägliche Kollegen, über unerzogene Kinder, über Helikopter-Eltern, über Korrekturen, über all die Aufgaben, die ich zusätzlich gemacht habe, weil ich mich – des Standings wegen- dazu genötigt gefühlt habe, all das 150% korrekt und musterexemplarisch zu erfüllen. Ich bin zwar nach wie vor der Überzeugung, dass man als in Vollzeit arbeitende Lehrperson mit dem Fach Deutsch an einer Ganztagsschule schnell Richtung Burnout laufen kann, da man einfach die ganze Woche von 8-16.30Uhr an der Schule ist, ohne irgendwas an Vorbereitungen oder Korrekturen geschafft zu haben. Aber: Wir haben als Beamte gewisse Privilegien, die sich nicht verleugnen lassen und die mir jetzt mehr denn je bewusst werden. Angefangen bei den Kita-Schließzeiten: Jedes arbeitende, angestellte Paar muss sich irgendwie den Urlaub teilen, damit das Kind während der Ferienzeiten betreut werden kann. Natürlich hat nicht jede Kita in jeden Ferien geschlossen, aber wer mit den gesetzlich vorgeschriebenen 24 Urlaubstagen alles managen muss, wird irgendwann gezwungen, sich ständig einen Krankenschein nehmen zu müssen. Ich muss zwar in den Ferien auch vorbereiten/korrigieren, aber kann das zumindest noch abends machen, wenn ich den ganzen Tag das Kind behüten muss. Darüber hinaus habe ich mit meiner Schulleitung absprechen können, dass ich ab spätestens 14:30 in der Schule den Stift fallen lassen kann, damit ich unseren Sohn pünktlich aus der Kita abholen kann. Bekannte von uns mussten ihr Kind in einer Privat-Kita anmelden, für stolze 950Euro/Monat, weil ihre jeweiligen Chefs eben KEINE halben Arbeitstage dulden und das Kind dementsprechend bis 17Uhr Betreuung benötigt. Als Außenstehende/r kann man natürlich frotzeln, dass man sich gut überlegen muss, ob man ein Kind in die Welt setzt, wenn man es doch schnell wieder in die Fremdbetreuung abschiebt. Ich frotzle zurück, dass nicht auf jedes Haupt lila Scheinchen regnen, Mieten in attraktiveren Städten einfach immens sind, Omas und Opas nicht immer in der Nähe wohnen und nicht jede Frau dermaßen in ihrer Mutterrolle aufgeht, dass sie jahrelang nichts anderes machen möchte, und es doch schade wäre, wenn das Kinderkriegen nur noch denjenigen zustünde, bei denen genau alle Parameter erfüllt wären. Ich bin gerne Mutter, aber ich bin auch gerne Lehrerin. Und zwar jetzt viel mehr als je zuvor. 🙂

Ach, und noch was: Unserem Kind geht es ausgezeichnet in der Kita. Das abwechslungsreiche Vormittags-Entertainment wird von Erzieherinnen absolviert, das monotone Nachmittags- und Wochenendentertainment ist unser Part. Bindungsstörung ist m.E. erstmal nicht in Sicht. Es sei denn, das Lachen unseres Sohnes ist bereits jetzt vorgetäuscht. 😉

Job läuft also überraschenderweise gut. Ich bin happy mit den Klassen/Kursen und bekomme gerade Job und Kind gut unter einen Hut. Woran mein Mann und ich noch zu feilen haben, ist die Pflege der Zweisamkeit. Wir bekleiden gerade sämtliche Rollen, aber verlieren uns dadurch doch ein wenig aus den Augen. Es gibt Tage, an denen geben wir uns quasi die Klinke in die Hand. Mann hetzt von der Arbeit nach Hause, damit ich dann z.B. abends zum Pilates kann (mein Beckenboden ist gefühlte 58 Jahre alt, daher ein Must, kein Schickimicki-Mädelsvergnügen). Es gibt aber auch genügend andere anstrengende Tage, an denen wir abends um 20Uhr einfach auf das heimische Sofa plumpsen, um dann während einer Folge „Friends“ o.ä. eine Stunde später wieder einzuschlafen. Wenn wir so weitermachen, können wir bald Kästners Gedicht „Sachliche Romanze“ als Standbild darstellen. Ein Horror! Vor allem weil ich es gerne im Unterricht bespreche 😉 Nee, im Ernst, noch haben wir uns eine ganze Menge zu erzählen, aber Zweisamkeit muss gut organisiert werden und das ist wohl auch unsere größte Hürde. Nachdem ich ein paar Monate „Pause“ eingefordert habe, was den Kontakt zur Schwiegermama angeht, möchten wir demnächst anfangen, sie in regelmäßigen Abständen als Babysitter einzuladen. So kommen schließlich alle betroffenen Parteien zu ihrem Spaß und es wäre ein guter Weg in Richtung Kompromiss mit der Schwiegerfamilie. Ich merke, ich muss in der Hinsicht erwachsen werden. Fällt mir schon schwer, weil Rumbocken und ironische Sticheleien verteilen schon zu meinen Hauptstärken gehören, aber vielleicht kann ich ja noch ein Bisschen was dazu lernen. Wenn es schon nicht die anderen können!! 😀 Scheeeeeerz. Ich meine es wirklich ernst.

Es ist gerade alles gut, so, wie es ist. Ich sehe gleichermaßen Chancen und Gefahren bei mir, bei uns, im Job…in der Zukunft. Und nicht in der Vergangenheit. Von der möchte ich mich offiziell an dieser Stelle mal dankend verabschieden. Mach´s gut, altes Haus, warst ein treuer Begleiter all die Jahre, aber jetzt geht´s nach vorne.

A wie Anfang, B wie Bewusstsein und C wie der erste Buchstabe unseres Schatzes…

Eure Lucy